Zusammen mit der Initiative Animal Rebellion hat Team Tierschutz eine Protestwelle gegen die Durchführung von Ochsenrennen in Bayern losgetreten: Bis Mitte Juni haben sich bereits über 3.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligt und eine Protest-Mail an die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sowie das zuständige Veterinäramt gesendet.
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Direkter Auslöser der Kampagne war die Veranstaltung am 4. Juni in Taufkirchen, bei der im Rahmen des Feuerwehrjubiläums ein Ochsen-und-Kamel-Rennen veranstaltet wurde, bei dem die Tiere einer extrem hohen Reizdichte, Lärm und unmittelbarer Publikumsnähe ausgesetzt wurden. Augenzeugen berichteten der Initiative von massiven, unübersehbaren Stresssymptomen bei den eingesetzten Tieren, darunter heftiges Zittern und stressbedingter Durchfall. Mindestens ein Kamel wies eine blutige Wunde an der Kehle auf. Auch bei Ochsen wurden eine blutige Wunde auf der Nase und ein Schnitt an der Brust dokumentiert, so PETA. Auf Aufnahmen seien Ochsen zu sehen, die eng mit dem Kopf an Betonblöcke gebunden werden, sodass sie sich nicht gegen das Besteigen der „Reiter“ wehren können. Sie werden samt „Reiter“ am Halfter und den empfindlichen Hörnern an die Startlinie gezogen.
Auf ihrer Webseite hatte die Feuerwehr das Rennen als »Familienspaß« angekündigt.
„Tradition darf im 21. Jahrhundert niemals als Freifahrtschein für Tierquälerei dienen. Dass hochsensible Herdentiere unter massivem physischem und psychischem Druck vor einer grölenden Zuschauermenge zu wettkampforientierten Höchstleistungen gezwungen werden, ist ethisch verwerflich und rechtlich nicht haltbar”, kritisiert Samara Eckardt, Geschäftsführerin von Team Tierschutz. „Es ist Zeit für ein dauerhaftes, präventives und ausnahmsloses Verbot von Ochsenrennen in Bayern. Wir fordern die Behörden auf, ihrer Schutzpflicht nachzukommen, bevor erneut ein Tier sein Leben verliert.”
Nach dem Rennen erreichte PETA Bild- und Videomaterial, das nach Auffassung der Tierrechtsorganisation klare Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen zeigt. Die Aufnahmen dokumentieren einen rohen Umgang mit den Ochsen und Kamelen sowie Verletzungen an Kopf und Körper einiger Tiere. Die Tierrechtsorganisation erstattete daraufhin am 10. Juni Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft München I.
Auf Nachfrage der Wochenanzeiger erklärte Andreas Donhauser, Vorsitzender der Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen: „Die Verletzungen der Tiere sind nicht, wie von Animal Rebellion oder PETA behauptet während unseres Events entstanden. Das ist eine Falschbehauptung.” Lediglich ein Ochse habe eine Schürfwunde an der Schnauze gehabt, die er sich vorab zugezogen habe und die von den Tierärzten als unbedenklich eingestuft worden sei. „Das Wohl der Tiere stand zu jederzeit der Veranstaltung an erster Stelle”, schrieb Donhauser.
Die Initiatoren der Kampagne und die über 3.000 Unterzeichner fordern die zuständigen Behörden auf, solche Veranstaltungen in diesem Jahr und in Zukunft ausnahmslos zu untersagen. Ein präventives Verbot sei das einzig rechtmäßige Mittel, da die extremen Stresspotenziale und akuten Verletzungsgefahren bei Rinderrennen amtsbekannt seien. Nachträgliche oder begleitende Auflagen erweisen sich in der Praxis eines Volksfestbetriebs als unzureichend, da sie ohnehin nicht vollumfänglich wirksam kontrolliert werden können. Die beiden Initiativen verweisen dabei auf das „1. Allacher Ochsenrennen“ am Pfingstmontag 2024, bei dem sich ein Tier so schwer verletzt habe dass es noch vor Ort getötet werden musste.
„Neben dem unvertretbaren Leid für die Tiere stellt die Situation eine akute Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dar. In Panik geratene Großtiere mit enormer Körperkraft lassen sich in unmittelbarer Nähe von Zuschauermengen kaum kontrollieren und bedeuten ein unkalkulierbares Risiko für das Leben und die Gesundheit der Besucherinnen und Besucher”, warnen die Tierschützer.
Die Wochenanzeiger haben beim zuständigen Veterinäramt (Landratsamt München) nachgefragt, wie der Tierschutz bei solchen Rennen gewährleistet wird und welche Verletzungen im konkreten Fall in Taufkirchen bei den benutzten Tieren festgestellt wurden. Eine inhaltliche Antwort blieb die Behörde schuldig: „Da im Raum steht, dass eine Strafanzeige gegen das Landratsamt gestellt wurde, bitten wir um Verständnis, dass wir uns hierzu zunächst nicht öffentlich äußern werden”, teilte eine Sprecherin des Landratsamts mit.
Auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber haben die Wochenanzeiger um eine Stellungnahme gebeten, da sich die Forderungen der Tierschützer und der 3.000 Bürgerinnen und Bürger direkt an sie richten. Kanibers Ministerium lehnte dies jedoch ab und verwies auf das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Diesem unterstehe das für die Genehmigung des Taufkirchner Rennens zuständige örtliche Veterinäramt.
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz reagierte bislang indes nicht auf die Anfrage der Wochenanzeiger.