An den bayerischen Schulen passiert jeden Tag Großartiges. Vieles davon im Stillen, ohne Scheinwerfer, ohne Schlagzeilen und doch mit beachtlicher Wirkung. Um außergewöhnliche berufliche und ehrenamtliche Leistungen sichtbar zu machen, hat Kultusministerin Anna Stolz vor kurzem neun Personen mit dem Staatspreis der Bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus bei einem feierlichen Festakt in der Münchner Residenz ausgezeichnet.
Einer dieser neun ist Dieter Bohnen, Lehrer der Mittelschule an der Rockefellerstraße. Kultusministerin Anna Stolz würdigt den „beeindruckenden Einsatz” aller Preisträger, zu denen übrigens auch der Sportstar Felix Neureuther – dieser für seine Förderung junger Menschen in Sachen Sport und Bewegung –zählt. Die Geehrten seien „echte Vorbildern für junge Menschen” und zeigen „wie viel man mit Leidenschaft, Motivation und Leistungsbereitschaft erreichen kann und das in ganz unterschiedlichen Bereichen. „Ein so besonderes Engagement verdient eine besondere Anerkennung”, sagt die Ministerin und bedankt sich: „Herzlichen Dank an alle Ausgezeichneten aus Bayern, die unsere Kinder und Jugendlichen stark im Herzen und stark im Handeln machen.”
Genau dies ist es, was Dieter Bohnen, der seit 2002 an der Mittelschule in der Rockefellerstraße (vormals Mittelschule Bernaysstraße) tätig ist, bewegt. Es ist ihm ein „großes Anliegen”, sagt er, dass „die Schüler eine gescheite Ausbildung bekommen.” Und auch er bedankt sich, und zwar bei seinen Kollegen: Zum einen hatte er in seiner Schule „immer ein hervorragendes Lehrerkollegium”, mit dem er – zum Wohle der Schüler – stets gut zusammenarbeiten konnte. Zum anderen nehme er die Auszeichnung des Kultusministeriums auch stellvertretend für alle Kollegen aller Schularten entgegen. Denn es gibt weiterhin viele Lehrer, die in diesem Sinne „einen großartigen Job machen”. Beispielsweise „schieben alle durch den akuten Lehrermangel Mehrstunden und vertreten Kollegen”, sagt Bohnen.
Er selbst sei aus diesem Grund auch nach Eintritt des Rentenalters noch an der Mittelschule an der Rockefellerstraße tätig und unterrichtet, nun als Fachlehrer, Natur und Technik, GPG (Geschichte/Politik/Geografie) und Ethik sowie nebenbei noch Mathe; Dabei ist er hauptsächlich in der zehnten Jahrgangsstufe eingesetzt. „Eigentlich hätten Sie allen Grund, den Ruhestand zu genießen. Stattdessen sind Sie weiter da – für Ihre Schule, für Ihre Schülerinnen und Schüler und für Ihr Kollegium. Genau das macht Ihr Wirken so besonders,” lobt Kultusministerin Anna Stolz.
Das Unterrichten mache Dieter Bohnen „noch immer Spaß”, sagt er. Er komme auch ganz gut mit den Schülern zurecht. Jungen Lehrern empfiehlt er im Umgang mit den Kindern, sich an die eigene Schulzeit zu erinnern und sich zu vergegenwärtigen, wie es war, als man selbst einmal den einen oder anderen Lehrer geärgert hat, und rät: „Als Lehrer nie etwas persönlich nehmen. Schüler sind so, vor allem in der Pubertät.”
Seine Freude am Beruf zeigt sich auch an seinem Wirken: „Gerade die Mittelschule lebt von Menschen wie Ihnen”, sagt Anna Stolz: „von Erfahrung, Beziehungsarbeit und einem klaren Blick für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler. Wenn Unterstützung gebraucht wird, sind Sie da. Ruhig, souverän und mit einem feinen Gespür für Menschen. Sie sind ein fester Orientierungspunkt im Schulalltag. Ein echter Fels in der Brandung.” Besonders hebt die Ministerin noch sein Engagement „in der Schulgemeinschaft, bei Veranstaltungen und Festen” hervor: „Mit Ihrer Musik und Ihrer Präsenz schaffen Sie verbindende Momente.”
Das alles, obwohl er, wie Dieter Bohnen auf die Frage der Nord-Rundschau anmerkt, in seiner eigenen Schulzeit „alles andere als der bravste Schüler” gewesen war. Was ihn denn bewogen hat, den Lehrerberuf zu ergreifen? Bereits sein Großvater war Direktor und der Vater Klavierlehrer, sagt er. Die Berufswahl hat er selbst auch nicht bereut. Das „Tolle an der Mittelschule ist das Klassleitersystem”, sagt er: „Dadurch kann man sehr viele Stunden mit seiner Klasse verbringen. Das hilft, die Schüler zu formen und ihnen etwas mitzugeben.”
Dass er genau dies tut, stellt Anna Stolze bei der Ehrung heraus: Der engagierte Lehrer mache „Schule zu einem magischen Ort. Zu einem Ort, an dem Menschen zusammenkommen, zusammen lernen und zusammen wachsen.” Und weiter „Sie schlagen Brücken zwischen Generationen. Und Sie geben Ihre Erfahrungen weiter – nicht belehrend, sondern durch Haltung. Als starkes Vorbild. Sie zeigen, dass Engagement für Schule keine Frage des Dienstplans ist, sondern eine Haltung.”
Als sichtbares Zeichen der Anerkennung bekamen Dieter Bohnen und die anderen Geehrten eine von Schülern der Glasfachschule Zwiesel entworfene, handgefertigte Glasskulptur überreicht. In das Glas ist das große bayerische Staatswappen eingraviert.