Mit einem 3:2 (0:0)-Sieg über den SSV Ulm 1846 beendete der TSV 1860 München nicht nur seine eigene Serie von zuletzt sechs sieglosen Spielen in der 3. Liga, sondern besiegelte höchstwahrscheinlich auch den Abstieg der „Spatzen”. Die Schwaben haben eine sportliche Achterbahnfahrt hinter sich. Nach mehreren Insolvenzen und langen Jahren im Amateurfußball stieg der ehemalige Bundesligist am Ende der Saison 2022/2023 kometenhaft aus der Regionalliga Südwest in die 3. Liga auf und schaffte als Neuling direkt den Sprung in die 2. Bundesliga. Dort konnten sich die Schwarz-Weißen jedoch nicht halten und mussten nach nur einer Saison wieder absteigen. Nun folgt mit höchster Wahrscheinlichkeit sogar der Absturz zurück in den Amateurfußball.
Für zwei andere Kellerkinder in der Tabelle steht der Abstieg bereits rechnerisch fest. Ihnen hilft auch kein Fußballwunder mehr. Nach dem Tabellenletzten 1. FC Schweinfurt ist auch für den FC Erzgebirge Aue Schluss in der 3. Liga. Der dreimalige DDR-Meister steigt nach 23 Jahren im Profifußball erstmals in die Regionalliga Nordost ab.
Um sich für die verbleibenden drei Spielrunden noch eine realistische Restchance gegenüber dem 1. FC Saarbrücken zu bewahren, der auf dem ersten Nichtabstiegsplatz steht, hätten die Gäste aus Schwaben unbedingt einen Sieg in München benötigt. Es sollte jedoch nicht sein. Vor ausverkauftem Haus im Grünwalder Stadion lieferten sich beide Mannschaften bei frühlingshaften Temperaturen einen offenen Schlagabtausch. Die Ulmer wirkten keineswegs wie ein Absteiger und spielten mit hoher Intensität. Ihr Trainer Pavel Dotchev sprach von einem „sehr guten Spiel für die Fans mit vielen Torchancen – die besseren lagen auf unserer Seite”. Es ging hin und her auf dem Feld. Dotchevs Gegenüber Markus Kauczinski befand: „Wenn es zur Pause 4:4 steht, dann hätte sich auch niemand gewundert.” Sechzigs Thomas Dähne bewies in mehreren Situationen, weshalb er zu den besten Torhütern der Liga gezählt wird.
Die zweite Halbzeit wurde dann richtig turbulent. Zunächst sorgte ein hartes Foul des Ulmer Mittelstürmers Lucas Röser an Dähne für einen Schreckmoment im Stadion. Obwohl der Schlussmann des TSV 1860 eine Flanke der Gäste längst sicher aus der Luft gegriffen hatte, rammte ihn der heranstürmende Röser mit Anlauf und vollem Körpereinsatz zu Boden. Dähne blieb benommen liegen und musste minutenlang behandelt werden. Dass Röser dafür von Schiedsrichter Nico Fuchs nur mit Gelb verwarnt wurde, war äußerst glücklich für die Ulmer. Dotchev wollte sein Glück nicht überstrapazieren und nahm den Sünder mit einem Spielertausch selbst vom Feld.
Kurz vor Anbruch der Schlussviertelstunde wurde der eingewechselte Justin Steinkötter von Ulms Innenverteidiger Luca Bazzoli nach einem Konter zu Fall gebracht. Die Ulmer hatten wieder Dusel, dass der Unparteiische Bazzoli nicht als letzten Mann gesehen hatte – eine umstrittene Entscheidung. Bazzoli kam mit einer Gelben Karte davon. Weil sich Kevin Volland darüber beschwerte, sah auch er die Gelbe Karte und wird den Löwen beim kommenden Auswärtsspiel in Schweinfurt gesperrt fehlen. Den darauf folgenden direkten Freistoß setzte Tim Danhof aus 20 Metern über die Mauer hinweg gefühlvoll zum 1:0 ins Netz (74. Min.).
Nur drei Minuten später jubelten die Löwen erneut. Der gerade eingewechselte Florian Niederlechner schickte Sigurd Haugen aus dem Mittelfeld heraus auf die Reise. Der schnelle Norweger lief mit Tempo in Richtung Strafraum, ließ seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung stehen und traf unhaltbar in den Winkel zum 2:0 (77. Min.). Kurz darauf dezimierten sich die Gäste selbst. Der bereits mit einer Verwarnung vorbelastete Niko Vukancic unterband eine weitere Kontergelegenheit der Giesinger, indem er Haugen am Trikot festhielt. Fuchs zeigte regelkonform die Gelb-Rote Karte.
Den Ulmern gelang in Unterzahl dennoch der Anschlusstreffer. Nach einer flachen Hereingabe von Niklas Kölle verlängerte Dennis Chessa den Ball mit der Hacke auf den eingewechselten Elias Löder, der ihn aus kurzer Distanz zum 2:1 über die Linie drückte (83. Min.). Es kündigte sich eine heiße Schlussphase an. Mit der nächsten Aktion stellten die Münchner den alten Abstand wieder her. Steinkötter setzte Niederlechner mit einem Pass in die Tiefe in Szene, der Christian Ortag im Tor der Ulmer aus der Drehung heraus zum 3:1 überwand (84. Min).
Den Schlusspunkt setzten die „Spatzen”. Das 18-jährige kanadische Talent Evan Anderson Brown vernaschte nacheinander im Dribbling erst den nach langer Verletzungspause erstmals wieder für einige Minuten eingesetzten Sean Dulic und dann Raphael Schifferl, ehe er durch die Beine von Siemen Voet zum 3:2-Endstand traf (90. Min.+2). Doch das änderte nichts mehr am letztlich verdienten Erfolg des TSV 1860 München. (as)