Interview Bosse
Ein Musiker erzählt
Der Sing-Songwriter Axel Bosse wurde 1980 geboren. Mit seiner Band nennt er sich nur Bosse. 2005 erschien das Debütalbum „Kamikazeherz", 2006 folgte „Guten Morgen Spinner" und 2009 „Taxi". Der Song „3 Millionen" wurde ein Hit, ebenso wie der Track „U-Bahn", den er im selben Jahr mit dem Berliner Elektro-DJ Oliver Koletzki aufnahm. Das 2011 veröffentlichte Album „Wartesaal" stieg direkt in die Album-Charts ein. Einen Song darauf –„Frankfurt Oder" – sang der Hamburger im Duett mit der Berliner Schauspielerin und „Silly"-Frontfrau Anna Loos beim Bundesvision Song Contest 2011 und belegte den dritten Platz. Seine Wartesaal-Tournee war so erfolgreich, dass sie im November verlängert wurde. Wegen einer zwischenzeitlichen Kehlkopfentzündung führt sie Bosse noch bis Ende Februar durch ausverkaufte Konzerthallen in ganz Deutschland.
Weitere Infos unter www.axelbosse.de.
1. Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich hatte einen sehr guten Musiklehrer in der Schule. Lutz hieß der. Durch ihn habe ich getrommelt und angefangen zu singen.
2. Wann war für dich klar: Das will ich hauptberuflich machen?
Mit 16 habe ich eigentlich nicht viel anderes getan, außer zu texten und zu schreiben.
3. Du hast mit 17 Jahren und deiner Schülerband Hyperchild den ersten Plattenvertrag bei einem Major-Label ergattert, bist von der Schule abgegangen und hast dein Heimatdorf bei Braunschweig verlassen. Was haben deine Eltern dazu gesagt?
Meine Eltern haben sich Sorgen gemacht. Sie mussten mich zwar früh ziehen lassen, wussten aber immer, wie ernst es mir war.
4. Was hast du gedacht, als du gerade deinen ersten Plattenvertrag unterschrieben hattest?
Wenn ich ehrlich bin, dachte ich, mir gehört die Welt. Das Gefühl hielt aber auch nur zwei Tage. Dann kam die Arbeit und wenig Vergnügen.
5. Die Band Hyperchild löste sich nach nur zwei Jahren auf – wegen „kreativer Differenzen", wie es heißt. Hast du jemals daran gezweifelt, das Richtige zu tun?
Ich wusste, dass das alles richtig ist. Nur nicht in der Konstellation. Das war immer schwierig, ohne dass ich heute erklären kann warum.
6. Hast du mal ernsthaft überlegt, vielleicht doch lieber eine Ausbildung oder das Abitur zu machen?
Als meine Tochter geboren wurde, hatte ich mal gefühlt drei Tage Existenzängste. Da hätte ich sofort jeden normalen, okay bezahlten Job gemacht.
7. Deine Wartesaal-Tournee ist ausverkauft. Auf deinen Konzerten dankst du dem Publikum für diesen Erfolg. Was hast du getan, um ihn zu erreichen? Musstest du Opfer dafür bringen?
Ich und meine Band haben einfach immer sehr viel gespielt und uns in den Jahren eine treue Fanbasis aufgebaut. Ich will nicht wissen, wie viel Kilometer wir in den ersten Jahren in meinem alten Sprinter zurückgelegt haben, um im Schnitt vor zehn Leuten zu spielen. Der Rücken und der Körper waren da die wirklichen Opfer. Mir hat das aber immer Bock gemacht. Genau wie heute, wo die Hallen voll sind und ich keinerlei Opfer mehr bringen muss.
8. „Wir sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein...und warten mal und warten mal": Wenn man sich deine Musik anhört, denkt man, der hat schon viele Rückschläge erlitten. Wie gehst du mit Rückschlägen in der Liebe und auch im Job um? Können Rückschläge auch positive Effekte haben?
Rückschläge sind traurig und kraftraubend. Der positive Effekt ist wahrscheinlich, dass man sich neu ordnen und sein Leben überdenken muss. Da ist dann auch immer was Gutes dabei.